|
Durch die ganze Geschichte des Volkes Israels hindurch suchte Gott ihnen die beständige Natur Seiner Liebe einzuprägen. Er liebte sie mit einer ewigen Liebe (Jer 31,3; 5Mo 4,37). Er sagte ihnen, dass die Antwort, die Er dafür begehrte, ihre Liebe zu Ihm war (5Mo 6,5). Aber sie waren genauso wie wir. Sie zogen Seine Liebe ständig in Zweifel. Wenn sie sich beklagten, dass Er sie vergessen habe, erwiderte Er mit jenen zärtlichen Worten in Jesaja 49,15: „Kann auch die Frau ihr Kindlein vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie seiner vergäße, so will ich doch deiner nicht vergessen.“ Eine Mutter mag nicht die ganze Zeit an ihre erwachsenen Kinder denken; aber wenn sie ein Kind hat, das sie noch stillt, gibt es kaum einen Moment in ihren wachen Stunden, in denen ihre Gedanken nicht bei diesem Kind sind. Wenn sie am Abend zu Bett geht, richtet sich ihr letzter Gedanke auf das Baby, das neben ihr liegt. Wenn sie mitten in der Nacht aufwacht, schaut sie erneut auf das Kind, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist. Wenn sie schließlich morgens aufwacht, ist ihr erster Gedanke erneut auf ihren Säugling gerichtet. Derart ist die Sorge der Mutter um ihr kleines Kind. Ebenso, sagt Gott, kümmert Er sich um Seine Kinder.
Das Buch Hosea betont dies. Die schmerzliche Erfahrung, die Hosea in seinem persönlichen Leben durchmachte, war ein Gleichnis von Gottes Haltung gegenüber Israel. Seine Liebe, so heißt es, hört nicht auf, so wie die Liebe eines treuen Ehemannes zu seiner untreuen Ehefrau nicht aufhört. Der Herr hat auch das Hohelied Salomos in die Bibel aufgenommen, um diese große Wahrheit der Treue des göttlichen Liebhabers gegenüber Seiner widerspenstigen Braut darzustellen.
Unser Glaube muss fest auf dieser Tatsache gegründet sein – dass Gottes Handeln an uns auf Seiner Liebe basiert. Die Worte „Er wird in Seiner Liebe ruhen“ in Zefanja 3,17 wurden auch so übersetzt: „Im Verborgenen plant Er für dich in Liebe.“ Erkennen wir, dass jedes einzelne Ereignis, das Gott in unser Leben kommen lässt, von einem Herzen kommt, das für uns in Liebe plant? Jede Prüfung und jedes Problem, das in dein und in mein Leben gekommen ist, wurde letztendlich zu unserem Besten geplant. Wenn Er unsere Pläne vereitelt, ist es aus dem Grunde, um uns davor zu bewahren, Sein Bestes zu verpassen. Wir mögen nicht in der Lage sein, auf der Erde alles voll zu verstehen. Aber wenn wir anerkennen, dass es keine zweiten Ursachen gibt, und dass alles aus der Hand eines liebenden Gottes kommt, würde das all die Sorgen, Ängste und harten Gedanken wegnehmen, die uns normalerweise plagen. Weil Christen nicht fest in dieser Wahrheit gegründet sind, kommen diese Ängste und Sorgen in ihrem Herzen hoch, und daher bleiben ihnen der „Friede Gottes, der alle Vernunft übersteigt“ und „die unaussprechliche und herrliche Freude“, von denen die Bibel spricht, fremd.
Der Dienst des Herrn Jesus Christus war sehr oft ein Korrektiv für die falschen Vorstellungen, die sogar religiöse Menschen Seiner Zeit, die die Schriften des Alten Testaments gut kannten, trotzdem über ihren Gott hatten. Alles über Jesus – Seine Krankenheilungen, Seine Trostworte für die Betrübten, Seine liebevolle Einladung an die mit Sünde Beladenen, Seine Geduld mit Seinen Jüngern und schließlich Sein Tod am Kreuz – all das zeigte die liebevolle Natur des Herzens Gottes. Wie oft schärfte Er Seinen Jüngern ein, dass ihr himmlischer Vater sie liebte und für all ihre Bedürfnisse sorgte. Wie oft tadelte Er sie dafür, dass sie an ihrem Vater zweifelten. Wenn irdische Väter für ihre Kinder zu sorgen wussten, wie viel mehr würde ihr himmlischer Vater für sie sorgen (Mt 7,9-11). Auch das Gleichnis vom verlorenen Sohn sollte ihnen Gottes große Liebe gegenüber seinen abtrünnigen, rebellischen Kindern zeigen. Durch unwiderstehliche Logik, durch Gleichnisse und durch das persönliche Beispiel strebte Jesus danach, die irrigen Ansichten, die Seine Generation über Gott hatte, zu korrigieren. In Seinem letzten Gebet bevor Er ans Kreuz ging, betete Er, dass die Welt Gottes Liebe erkennen möge (Joh 17,23).
Möge Gott uns diese Zusicherungen aus Seinem Wort der Wahrheit von Seiner grenzenlosen und unveränderlichen Liebe tief und auf ewig in unser Herz schreiben, denn der Glaube an Gott kann auf keinem anderen als auf diesem Boden wachsen.
Deutsche Übersetzung: Alois Mair
|